ASGS Software: Arbeitssicherheit in Städten und Gemeinden

30.04.2021
Interview: Simon Gröflin

Die kontinuierliche Verbesserung im Bereich der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes ist vom Gesetz vorgeschrieben. Dies gilt auch für Städte und Gemeinden mit all ihren Verwaltungsgebäuden, Werkhöfen, Sport- und Schulanlagen, oder aber auch Freizeitbetreuungen. Simone Enderli ist Fachbereichsleiterin Interne Sicherheit bei der Stadt Zug und in dieser Stabsstellenfunktion auch für die Vereinheitlichung der Prozesse und die integrierende Personalarbeit verantwortlich.

Frau Enderli, was sind die wichtigsten Grundlagen und Herausforderungen, um in einem öffentlich-rechtlichen Staats- oder Gemeindebetrieb wie der Stadt Zug die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz zu koordinieren?

Simone Enderli: Das Verständnis für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ist eine Frage der Unternehmenskultur und sollte nicht nur im Leitbild verankert sein, sondern auch gelebt und vorgelebt werden. In einem öffentlichen Betrieb gibt es diverse Anspruchsgruppen, welche verschiedene Bedürfnisse haben und
unterschiedliche Auffassungen teilen. Es stellt eine grosse Herausforderung dar, diese Personen individuell auf die Wichtigkeit des Themas aufmerksam zu machen und sie dafür zu gewinnen. Ein Ziehen am selben Strick ist unumgänglich, damit das Thema nutzbringend und sachdienlich angegangen und bearbeitet werden kann.

Wie sieht ein Arbeitstag bei Ihnen aus?

Als Fachbereichsleiterin für Interne Sicherheit bin ich in einer Stabsfunktion für alle Objekte zuständig, in welchen Mitarbeitende der Stadt Zug tätig sind. Dazu gehören nicht nur Verwaltungsgebäude, sondern auch alle Schul- und Sportbetriebe, Freizeitbetreuungen, die Musikschule sowie die Bibliothek und natürlich auch unser Werk- und Ökihof. Ich sorge vor allem dafür, dass möglichst vieles vereinheitlicht, vereinfacht bzw. prozessorientiert und konzeptionell aufgebaut sowie organisatorisch hinterlegt und dokumentiert ist.

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Simone Enderli, Fachbereichsleiterin Interne Sicherheit bei der Stadt Zug, setzt auf eine digitale ASGS-Lösung. (© Simon Gröflin)

Was sind das für typische Aufgaben?

Dazu gehören beispielsweise die Sicherstellung des Notfallkonzepts und das Erstellen bzw. Aktuellhalten von Flucht- und Rettungsplänen, aber auch die Schulung der Abläufe von Evakuationen und das Durchführen von Übungen. Ausserdem Gesundheitskampagnen lancieren oder Hilfsmittel wie Defibrillatoren oder Erste-Hilfe-Material evaluieren und einführen. Dabei stehe ich in der Stabsstelle der Linie beratend und unterstützend zur Seite. Ferner werden Berufsunfälle sowie Berufskrankheiten abgeklärt und dokumentiert. Bei vielen Aufgaben unterstützt uns die Software «safely», welche eigens dafür angeschafft wurde.

Welche Besonderheiten prägen die Stadt Zug mit ihren Gewerken im Vergleich zu anderen Gemeinden?

In meiner Funktion bin ich direkt der Leiterin Personaldienst unterstellt. Einzig der Werkhof/Ökihof verfügt über einen eigenen SiBe, welcher als verlängerter Arm meiner Stabsstelle die anstehenden Arbeiten im Bereich der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes übernimmt. Bei uns fungieren alle Hauswartungen als Bereichssicherheitsbeauftragte (BeSiBe). Sie unterstützen mit ihren Ortskenntnissen und ihrer Verantwortlichkeit die Sicherheitsverantwortliche und  übernehmen die basisorientierten und operativen Aufgaben auf diesem Themengebiet wie beispielsweise die Gefahrenermittlungen oder Mängelmeldungen.

Welche operativen Aufgaben und Bedürfnisse waren bislang gut oder weniger gut in Ihren Arbeitsalltag integriert?

Manchmal scheint es, als würde es einfacher, Beteiligte für eine Aufgabe zu motivieren, wenn diese möglichst einfach ist, kaum Ressourcen bindet oder die Arbeiten weiter delegiert werden können. Es sind sich aber nicht immer alle Beteiligten ihrer Verantwortung und ihrer Rolle bewusst. Dies erfordert immer wieder echte Überzeugungsarbeit. Je einfacher etwas von der Hand geht, umso besser.

Die Modelllösung von Lobsiger & Partner ist uns dabei eine grosse Unterstützung, besonders bei der bereichsübergreifenden Koordination, aber auch bei der gesamtheitlichen Beauftragung von Kontrollen und Gefahrenermittlung, wie beispielsweise Überprüfung von Flucht- und Rettungswegen, Arbeitsmitteln in
Werkräumen oder des Zustands von Leitern im Werkhof. Zudem erfüllen wir so auf einfachste Weise den Beizug von Spezialisten der Arbeitssicherheit. Nach wie vor stark von Ressourcen und vom Budgetprozess abhängig ist die zeitnahe Umsetzung von Aufträgen. Das liegt jedoch oft am fehlenden Verständnis und an den Ressourcen. Das effiziente Erbringen definierter Massnahmen hängt stark vom Budgetprozess ab und erfordert oftmals Geduld bei der Umsetzung.

Stichwort Ressourcen: Wie schaffen Sie das alles in Ihrem Pensum?

Mit meinem 70-Prozent-Pensum bin ich in der Tat bestens ausgelastet und muss mir meine Aufgaben und Ressourcen gut einteilen. Es geht dabei nicht, ohne Prioritäten zu setzen. Man muss sich organisieren und flexibel bleiben. Immer wieder kommt es vor, dass die Jahresziele angepasst werden müssen, weil unvorhergesehene Projekte dazwischenkommen – oder eine Pandemie alles auf den Kopf stellt, wodurch sich die Auftragslast verlagert.

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Die Stadtverwaltung Zug umfasst über 80 Gebäude und diverse Freizeitbetreuungen mit Anforderungen an die Arbeitssicherheit. (© Simon Gröflin)

Diese Aufgabe verlangt sehr viel Fachwissen. Was hilft Ihnen dabei, die 10 Punkte gemäss ASA-Richtlinie erfolgreich umzusetzen?

Ich sehe mich eher als Generalistin, die weiss, wo sie sich ihre fachspezifischen Informationen intern und extern holen kann. Es ist mir besonders wichtig, nur fundierte und möglichst schriftlich vorhandene Informationen weiterzugeben. Um die EKAS-Richtlinie 6508 zu erfüllen, haben wir uns für den Anschluss an die Modelllösung von Lobsiger & Partner entschieden, welche mit der Webapplikation «safely» einen modernen Ansatz verfolgt. Diese Applikation ist bereits auf das 10-Punkte-ASA-System ausgelegt und übersichtlich strukturiert. Ausserdem
enthält es bereits viele Dokumentationen, Anleitungen, Anweisungen und Merkblätter, die mir fachspezifische Informationen liefern oder als vorgefertigte Formulare zur Verfügung stehen.

Wieso haben Sie sich für eine digitale ASGS-Lösung entschieden?

Ich bin allgemein an einer standardisierten und vereinfachten Arbeitsweise interessiert. Schon bei den ersten Aufträgen, beispielsweise beim Erfassen von Arbeitsmitteln in den Werkräumen durch die Fachlehrpersonen, hat sich gezeigt: Das System «safely» ist mehrheitlich selbsterklärend und intuitiv in der Handhabung. Eine kurze Anleitung mit Screenshots reicht in der Regel aus, und auf eine persönliche Systemschulung kann teilweise verzichtet werden, denn nicht alle unsere User sind PC-affin und sich gleichermassen ihrer Verantwortung
als SiBe/BeSiBe wirklich bewusst. Aus diesem Grund müssen wir sie durch Einfachheit überzeugen können. Das hat «safely» bewiesen.

Wie ist es zur Partnerschaft mit Lobsiger & Partner gekommen und was schätzen Sie besonders an dieser Zusammenarbeit?

Mit Lobsiger & Partner GmbH kam ich schon vor über zehn Jahren in Kontakt. Ich schätze den direkten und unkomplizierten Austausch und das fachspezifische Know-how. Mit «safely» bekomme ich zudem eine Software aus einer Hand, was die Zusammenarbeit noch einfacher gestaltet.

Würden Sie diesen Weg wieder einschlagen – oder Ihr Konzept auch anderen SiBe-Kollegen und Gemeinden weiterempfehlen?

Im Moment ist «safely» für mich das überzeugendste Mittel, um einerseits den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden, andererseits die User auf einfache und bedürfnisorientierte Weise zu unterstützen. Die eingegebenen
Daten stehen jederzeit und überall webbasiert zur Verfügung. Es ist ein riesiger Vorteil, ganze Module aus Bereichen wie Aus- und Weiterbildung oder Instandhaltung von Maschinen, Gerätschaften mit einem Bearbeitungsrhythmus hinterlegen zu können sowie frühzeitig und automatisch über bevorstehende Arbeiten per Mail informiert zu werden. Darüber hinaus stellt das System auch bei der Analyse und Statistik aktuelles Datenmaterial zur Verfügung, welches für die Budgetierung und auch in Investitionsfragen benötigt wird.

Ab welcher Betriebsgrösse eignet sich die Lösung, die Sie einsetzen?

Schon kleinen Organisationen mit unterschiedlichen Arbeitsbereichen und mit einer Vielfalt von Bedürfnissen bietet «safely» eine hervorragende Möglichkeit, Daten effizient und einfach zu erfassen, die Massnahmen zu bearbeiten,
Verantwortlichkeiten festzulegen und schliesslich die Übersicht strukturiert und organisiert zu behalten. Ich kann das Produkt und die Zusammenarbeit mit Lobsiger & Partner nur weiterempfehlen.

 

Ursprünglich erschienen in SAFETY-PLUS 4/21, Seite 14–15